(K)ein Blick in die Zukunft

Es ist frustrierend. Wenn die Augen über den Bildschirm gleiten, Website für Website abarbeiten und am Ende doch nicht den passenden Weg für die Zukunft finden. Irgendwann holt uns alle die Frage ein „Was willst du eigentlich nach der Schule machen?“ und wir müssen uns einen anderen Plan überlegen, anstatt zwischen alten Pizzaschachteln aufzuwachen oder das exklusive Leben eines erfolgreichen YouTubers zu leben. Ob Studienberatungen, die fünfte besuchte Messe oder Flyer über diverse Jobs – am Ende können nur wir selbst entscheiden, was für uns das Richtige ist. Aber wie sollen wir als 16-jährige Schüler, die an Matheaufgaben verzweifeln und irgendwo zwischen Expressionisten und den vier Fällen zu seufzen beginnen, eine Antwort darauf haben, wie wir den Rest unseres Lebens verbringen wollen?
 
Schon bereits in der 7. Klasse müssen wir eine (zugegeben eher weniger bedeutungsvolle) Entscheidung treffen: Russisch oder Französisch. Nach zwei Jahren mit der neuen Fremdsprache folgt die nächste Wahl, die unsere Interessen und berufliche Zukunft schon weiter beeinflusst: Spanisch, Wirtschaft – oder Wirtschaft Englisch – und Informatik. Hinzu die Frage, ob Sozialkunde oder Geografie und Kunst oder Musik weiter verfolgt werden soll. Letzendlich in der 10. Klasse der bedeutsamste Entschluss: welche Grund- und welche Leistungskurse wähle ich? Wie schlage ich mich in der 11. und 12. Klasse bis zum Abitur durch? Welchen Schnitt brauche ich? Bis man hoffentlich kurze Zeit später mit einem Abschluss in den Händen da steht und nun wirklich den ersten Schritt in Richtung Ausbildung oder Studium setzen muss.
 
Interessen, Können, Wissen und Wünsche stellen sich schon früh heraus, doch nur eine dieser Sachen kann man zu seinem Ziel machen. Die anderen werden zu Plan B, C oder D, fallen irgendwann weg oder rücken wieder stärker in den Fokus, wenn man sich die nächste Broschüre durchliest. Einige kommen von ihrer eigentlichen Idee ab, andere sind ihr schon ganz nah und widerrum andere lassen ihren Blick von Option A bis Option D schweifen und wissen immer noch nicht, wofür ihr Herz höherschlägt. Kunst oder Musik? Etwas Technisches oder doch lieber etwas Sprachliches? Arbeit mit Menschen oder doch den ganzen Tag ungestört im eigenen Büro verbringen? Denkt man sich irgendwann die „Was wäre wenn..?“-Szenarios und verfolgt eine seiner Ideen, trifft man auf die nächste Hürde. Die perfekte Uni ist zu weit entfernt, das Geld reicht nicht oder deine innere Stimme schreit doch wieder ganz laut „Nein!“. Plötzlich ploppt am Bildschirmrand eine weitere Anzeige auf: verlockende Informationen über ein Freiwilliges Soziales Jahr oder der langerträumte Schüleraustausch. Dabei schweift der Blick aus dem Fenster und man sieht doch nur eine Landschaft aus Fragen ohne Antworten.
 
Viele versteckte Talente stellen sich allerdings auch erst in dem Prozess der „Zukunftsfindung“ heraus. Manchmal ist es dann doch ratsam, mal vom Weg abzukommen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten oder sich doch Mamas Vortrag über die Berufe, die man niemals in Erwägung gezogen hat, anzuhören. Am Ende (oder doch eher am Anfang vom Rest unseres Lebens) müssen selbst Freigeister eine Entscheidung treffen – auch wenn die nach einem erfolglosen Plan A und B bei Plan C liegt. Trotz wirren Gedanken und fragenden Blicken sollte man sich am Ende des Tages trauen, (eventuell) riskante Entscheidungen zu treffen um den typischen Märchensatz über sich sagen zu können „…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“. 

Josi

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